Ehrung, Bekenntnis, Kampfdemonstration

Die Demonstration nach Friedrichsfelde zu Karl und Rosa hatte immer diesen dreifachen Charakter

Zum Ende des Ersten Weltkriegs verkörperten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht als Angehörige der Spartakusgruppe die revolutionäre Arbeiterbewegung. Sie orientierten die Bewegung auf das unmittelbare Ziel der Revolution, die auf der Tagesordnung stand: Sie richteten den Hauptstoß gegen den deutschen Imperialismus und Militarismus mit dem Ziel, das kaiserliche Regime zu stürzen und den Krieg zu beenden. Als Lehre aus der Oktoberrevolution in Russland sollten Arbeiter- und Soldatenräte im festen Bündnis mit der Sowjetmacht gebildet werden.

Schon in den ersten Revolutionstagen im November 1918 wurden die Grundlinien des Klassenkampfes deutlich: Die Vertreter des Monopolkapitals konnten ihre Macht nur retten, wenn es ihnen gelang, die revolutionäre Bewegung aufzuspalten. Die neue Regierung, die sich zur Irreführung der Massen „Rat der Volksbeauftragten“ nannte und in der rechte Sozialdemokraten wie Ebert, Scheidemann und Noske führend waren, vereinbarten mit Vertretern der Obersten Heeresleitung Maßnahmen, um die kaiserliche Armee zu erhalten. Dies führte zum Aufbau der Freikorps „gegen die bolschewistische Gefahr“ und wurde unterstützt von der „Antibolschewistischen Liga“ – gefördert wurden sie von führenden Konzernherren. Die revolutionären Arbeiter organisierten politische Massenstreiks, bewaffneten sich, stellten Verbindung zu den Soldatenräten her und erhielten Unterstützung durch die Roten Matrosen. Sie kämpften um die Rätemacht, aber sie unterlagen.

Die Kämpfe hatten gezeigt, dass eine selbständige revolutionäre marxistische Kampfpartei zur dringenden Aufgabe geworden war, weshalb die Kommunistische Partei Deutschlands gegründet wurde. Die Konterevolution schuf mit ihrer antikommunistischen- antisowjetischen Hetze eine Pogromstimmung. Die Kommunisten und ihre Führer wurden gejagt, Arbeiter verhaftet, misshandelt und erschossen. Am 15. Januar 1919 wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg meuchlings ermordet. Die Beerdigung der Revolutionsopfer am 25. Januar wurde zur Demonstration Hunderttausender, obwohl Noske als „Volksbeauftragter für Heer und Marine“ Gebiete absperren ließ: Die Kreuzungen wichtiger Straßen glichen einem Heerlager, Demonstrationszüge wurden auseinandergejagt. Die Teilnehmer der Demonstration trauerten und bekannten sich zu den Auffassungen der Ermordeten, zu ihren Zielen und waren bereit, in ihrem Sinne zu kämpfen. Indem sie Karl und Rosa ehrten, haben sie ihre eigenen Interessen erkannt und verteidigt. Von da an gab es die Tradition des Massengedenkens im Januar.

1926 wurde ein Revolutionsdenkmal enthüllt und noch am 15. Januar 1933 demonstrierten kommunistische, sozialdemokratische und parteilose Arbeiter in 18 Zügen nach Friedrichsfelde gegen Faschismus und Krieg. Nach Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 und dem Reichstagsbrand schändeten die Faschisten das Denkmal, es wurde abgerissen und die Gräber eingeebnet. Am 13. Januar 1946 demonstriert die befreite Arbeiterklasse nach Friedrichsfelde zu der Stelle des alten Denkmals, das in Stoff nachgebildet war.

Nach der Gründung der DDR wurde die Gedenkstätte geschaffen, wie wir sie heute kennen, und 1951 eingeweiht. Sie ehrt die Helden der Revolution und zeigt, wie ihr Wirken fortgesetzt wurde im Kampf gegen den Faschismus und in der Herstellung der Einheit der Arbeiterbewegung im Kampf um den Aufbau des Sozialismus, gegen das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus. An der Spitze der Massendemonstration marschierte die Partei- und Staatsführung der DDR. Die Losungen, die getragen wurden, zeigten die Forderungen und Aufgaben, die auf der Tagesordnung standen. Eine besondere Bedeutung hatten die Kampfgruppen der Betriebe in der Demonstration.

Nach der Konterrevolution 1989 wurde die Tradition aufrechterhalten. Heute finden verschiedene linke Strömungen zusammen und organisieren die Demonstration gemeinsam. Auch heute sind die Losungen, die getragen oder in Aufrufen und Reden betont werden, bestimmt von dem Zusammenhang des Kampfes um den Frieden und sozialen Fortschritt.