Wer erbaute das siebentorige Theben?

Spuren vom Niltal bis nach Berlin-Mitte

Nein – schön ist das noch nicht – gar nicht. Es ist regnerisch und kalt. Der Frühling lässt auf sich warten. Und ich friere entsetzlich. Deshalb, und natürlich weil ich gerade von einer Reise aus Ägypten wieder gelandet bin – eine Spurensuche aus viel wärmeren Gefilden.
Es ist nur wenige Tage her und ich stand, gerade einmal knapp 12 Stunden zuvor in Ägypten gelandet in der grellen Morgensonne, Bauklötzer staunend, mitten im siebentorigen Theben. Und ich kann euch versichern: Es waren ganz sicher nicht die Könige, die diese riesigen Felsbrocken herbeigeschleppt und mit einer kaum zu begreifenden Baukunst zu den riesigen Tempeln von Theben zusammengefügt haben – so etwa vor viertausend Jahren. Die Sklaven- Arbeiter mussten auf der Westseite von Theben leben – im damaligen Glauben der Menschen- die Seite des Todes. Dort geht die Sonne unter. Die „freien“ Bürger lebten auf der Ostseite des Nils. Der aufgehenden Sonne zugewandt.
Theben heißt heute Luxor, hat ca. 950 000 Einwohner und ist durch große Armut geprägt. Der einzige Reichtum dieser Gegend ist der Nil – die Lebensader und die Ernährungsgrundlage Oberägyptens. Immer bedroht von der immer näher rückenden Sahara. Von Luxor bis zum sehr beeindruckenden Assuan-Staudamm und dem riesigen Nasser-See, der bis in den Sudan reicht. Hier findet man viele Spuren der einstigen solidarischen Verbundenheit der sozialistischen Länder mit Ägypten. Diese Solidarität machte den Assuan-Staudamm erst möglich. Neben dem riesigen Staudamm steht ein 74 Meter hohes Denkmal der ägyptisch-sowjetischen Freundschaft in Form einer Lotusblüte – der heiligen Blume Ägyptens. Die Gegend um Assuan ist das Land der Nubier – fast die gesamte Bevölkerung gehört diesem stolzen, alten Volk an. Viele Nubierfamilien mussten umgesiedelt werden – ein Teil ihrer Heimat liegt auf dem Grund des riesigen Nasser-Sees. Ihr großer, berühmter Tempel „Abou-Simbel“ konnte gerettet werden und wurde wieder aufgebaut – eine logistische Meisterleistung. Die Haupteinnahmequelle der Nubier ist seit langer Zeit der Anbau von Blumen und die Gewinnung von Parfüm-Ölen aus den Blüten. Der Hauptteil dieser Öle wird nach Frankreich zur Parfümherstellung verkauft.
Aber selbst hier, am Rande der Wüste, und nur ca. 300 Kilometer vom Sudan entfernt, findet man Spuren, die nach Berlin führen – bis in die Humboldt-Universität. Im Nubier-Museum in Assuan findet man auf einer Tafel den Namen von Fritz Hintze – dem Begründer des Instituts für Ägyptologie an der Humboldt-Uni. Sein Spezialgebiet war die Kultur der Nubier.
Aber auch sonst gab es sehr freundschaftliche Beziehungen der DDR zu Ägypten. 1965 reiste Walter Ulbricht auf Einladung des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser nach Kairo – aber auch schon vorher gab es sehr fruchtbare Handelsbeziehungen zwischen der DDR und Ägypten. Die DDR unterstützte Ägypten beim Bau einer großen Porzellanfabrik in Kairo. Und es gab auch einen regen Kulturaustausch:  1968 dirigierte der Kapellmeister Gerhard Wiesenhütter das Symphonische Orchester Kairos.
Nach der Rückreise auf unserem, schon sehr betagten, Nilschiff stand am letzten Tag in Luxor natürlich der Besuch des „Tal Der Könige“ und der Tempel der Pharaonin Hatschepsut auf dem Plan. Hier in Ägypten gilt Hatschepsut als die erste Herrscherin Ägyptens und damit als erste selbstständige Frau. Sie hatte als Mädchen natürlich gar keine Chance auf den Thron. Da griff sie zu einer List: Sie behauptete Tochter des Gottes Amun-Re zu sein. War natürlich völliger Quatsch und wahrscheinlich die erste „Fake-News“ der Geschichte – aber als Tochter eines Gottes hatte sie Anspruch auf den Thron. Sie wurde eine Herrscherin ohne Kriege. Sie setzte auf Handel. Unter ihrer Regentschaft blühte Oberägypten auf. Nach ihrem – ungeklärten- Tod im Jahre 1458 v. Chr. wurden von ihrem Nachfolger und Stiefsohn Tutmosis III.  alle Spuren ihrer Regentschaft vernichtet. Eine Herrscherin ohne kriegerische Eroberungen sollte nicht in die ägyptische Geschichte eingehen.
Ich wünsche allen Leserinnen einen tollen, kämpferischen Internationalen Frauentag.