Ein würdiges Jubiläum

60 Jahre Deutscher Turn- und Sportbund

Als am 28. und 29. April 1957 im Haus der DDR-Ministerien 1957 der Deutsche Turn- und Sportbund gegründet wurde, begann die Erfolgsgeschichte einer der effektivsten Sportorganisationen weltweit.

Auf den Tag genau feiern am 28.4.2017 in Berlin Marzahn Sportler, Trainer, Übungsleiter, Funktionäre, Kampf-und Schiedsrichter, Sportmediziner, Sportwissenschaftler, DDR-Vertreter internationaler Sport-Organisationen und Verbände, Mitarbeiter in den Sportverbänden, der Sport-und Fußballclubs, der Sportschulen und Sportstätten, Sportlehrer und die unzähligen ehrenamtlichen Helfer des Sports den 60. Jahrestag der Gründung dieser Massenorganisation. Sie vereinte 1989 3,2 Mio. Mitglieder in 36 Sportarten, mehr als 10500 Sportgemeinschaften und über 6000 Gruppen des Anglerverbandes und 600 Motorsportclubs.

Der DTSB stellte sich als Mobilisierungskraft der Gesellschaft dar, die eine unübersehbare Schar von Breitensportlern anregte, sich sportlich zu betätigen und jungen Talenten die Voraussetzungen für spätere Weltspitzenleistungen schuf.

Viele Gründungsmitglieder, die am Jubiläumstag unter uns weilen, können vom schweren Anfang erzählen, als sich der Sport unter geringen materiellen Bedingungen infolge des Krieges bescheiden auf kommunaler Ebene entwickelte. Erinnert sei an dieser Stelle die Hilfe des sowjetischen Sports beim Aufbau und der Entwicklung der Sportbewegung in der DDR. Die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder führten einen konsequenten Kampf, damit der DDR-Sport im IOC und in den Weltsportverbänden anerkannt wurde und gleichberechtigt an Olympischen Spielen und Internationalen Meisterschaften teilnehmen konnte. Nicht unerwähnt möchte ich die Bildung von Sportvereinigungen lassen, wodurch der Sport von Betrieben und Gewerkschaft hervorragend unterstützt wurde. Mitte der 70er Jahre gab das gemeinsame Sportprogramm von FdGB, FDJ und DTSB weitere wesentliche Impulse für die beschleunigte Entwicklung des Sports in der DDR. Unvergessen bleiben die Erlebnisse Zehntausender Sportlerinnen und Sportler in Vorbereitung und Durchführung der Turn- und Sportfeste in Leipzig. Die Friedensfahrt, insgesamt 58-mal ausgetragen, begeisterte Millionen Anhänger des Sports und verbreitete nachdrücklich mittels des Sports den Gedanken des Friedens. Und wer erinnert sich nicht an Harry Glaß und Wolfgang Behrend, die noch vor der Gründung des DTSB die ersten olympischen Medaillen für die DDR errangen.

Bis heute bleibt unbegreiflich, dass der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs der Bundesrepublik am 14.3.1961 den DTSB als verfassungsfeindliche Organisation eingestuft hat – ein weltweit einmaliger Vorgang.

Die Erfolgsgeschichte des DTSB hatte bis zu seiner jähen Einverleibung viele Facetten, die an dieser Stelle weder vollständig noch umfassend dargestellt werden können.

Die Begriffe Breitensport, Volkssport, Sport für Alle trugen zu Recht diesen Namen, denn laut Art. 25 der Verfassung der DDR (in der Bundesrepublik ist es bis heute nicht gelungen, das Recht auf sportliche Betätigung verfassungsmäßig festzulegen) wurde jedem Bürger, die Möglichkeit garantiert, Sport zu treiben. Mit der unentgeltlichen Nutzung der Sportstätten, einer Fahrpreisermäßigung von 50-75%, dem Versicherungsschutz bei Sportunfällen, dem K+S-Fond in den Betrieben wurden optimale Voraussetzungen geschaffen. Und das bei einem Mitgliedsbeitrag von 0,30-1,30 Mark.

Es wäre zu einseitig, die Erfolge des Leistungssports nur an den errungenen Medaillen bei Olympischen Spielen oder internationalen Meisterschaften zu messen. Das Streben nach sportlichen Höchstleistungen war stets verbunden mit einer allseitigen Persönlichkeitsentwicklung.  Viele unserer besten Sportler waren und sind, wie z. B. „Täve“, noch bis heute tatsächlich Diplomaten im Trainingsanzug und Vorbild für die Jugend. Jedes sportliche Talent konnte sich unabhängig vom Geldbeutel der Eltern entwickeln. Dafür standen allein für die Trainingszentren im engen Zusammenwirken mit nahezu 9000 Übungsleitern 1.800 hauptamtliche Trainer, in der Regel mit Hochschulabschluss, zur Verfügung. In den 27 Sport- und 11 Fußballclubs wurden 12.500 Sportler von 4000 Trainern betreut, die ihren Auftrag darin sahen, in einem pädagogischen und sportfachlichen Prozess Sportler zu Höchstleistungen zu führen und sie in ihrer allseitigen, also körperlich, geistig und moralischen Entwicklung  zu begleiten.

Zu den Erfolgsfaktoren, die nur in ihrer Komplexität zur vollen Entfaltung gelangen konnten (im Gegensatz zum heutigen deutschen Sport), zählten u.a.: ein optimales Auswahl-Trainings-und Fördersystem; die Unterstützung durch den Staat; die besondere Aufmerksamkeit für den Nachwuchsleistungssport  als eigentliches „Geheimnis“ des DDR-Sports; die Anwendung des Leistungsprinzips; die Aus- und Weiterbildung der Trainer, besonders an der DHfK und ihren Außenstellen; die Rolle der Sportmedizin und der Sportwissenschaft.

Auch mein Leben im Sport widerspiegelt die erfolgreiche Entwicklung des DTSB. Im Gründungsjahr 1957 begann ich bei der BSG Wismut Beierfeld mit dem Schlittensport. Nach der erfolgreichen Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 1964 und 1968 und dem Studium an der DHfK begleitete ich die DDR-Schlittensportler bei den Olympischen Spielen 1972 und 1976 als Verbandstrainer. Bei den Olympischen Winterspielen 1984 und 1988, bei denen ich in der Funktion als Chef de Mission tätig war, stellten die DDR Sportler abermals unter Beweis, dass sie  zu den besten Sportnationen gehörten.

Anlässlich des 60. Gründungstages des DTSB können wir eine beeindruckende Bilanz vorweisen.  Ich bin sicher, dass all diejenigen, die an dieser erfolgreichen Entwicklung mitwirkten, mit mir übereinstimmen: Wir feiern mit Recht ein würdiges Jubiläum.