„Man kann mit einer Wohnung einen Menschen….“

Die Mieterbewegung in Berlin

Endlich Sonne! Und damit die Hoffnung, dass der Ostermarsch 2017 nicht nur sehr kämpferisch sondern auch sonnig und bunt wird.

Als ich den Briefkasten leerte, ahnte ich gleich, dass der Brief der Wohnungsbaugesellschaft nichts Gutes zu bedeuten hat. Und siehe da: Mal wieder eine Mieterhöhung. Nicht besonders hoch – aber es läppert sich. Da hilft die Sonne dann auch nicht weiter.

Mieter zu sein im Kapitalismus war noch nie ein Vergnügen. Das wusste auch schon Heinrich Zille zum Anfang des vorherigen Jahrhunderts. Eingesperrt in dunkle, viel zu kleine Wohnungen ohne Luft und Sonne mussten die Arbeiter und ihre Familien ohne jeden Mieterschutz -gegen zu hohe Mieten, Zwangsräumungen und Obdachlosigkeit kämpfen. Es grassierte die Tuberkulose in den feuchten kalten Räumen – vor allem bei den Kindern.  „Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt“. Wie wahr.

Schon damals schlossen sich die Arbeiter zusammen um sich dagegen zu wehren. Der „Deutsche Mieterbund“ bildete sich schon im Januar 1900 mit fünfundzwanzig Einzelverbänden. Den größten Einzelverband gab es in Berlin.

Dann kamen zwei Weltkriege und 1945 standen die Menschen in Berlin vor großen Trümmerbergen. Es wurden die Ärmel hochgekrempelt – vor allem die Ärmel der Frauen – und der Schutt beiseite geräumt. Es wurde angefangen wieder zu bauen. In ganz Berlin. Die Aufgabe schnell Wohnraum zu schaffen stand in Ost- und Westberlin gleichermaßen. Aber da endeten auch die Gemeinsamkeiten….   In der Hauptstadt der DDR wurde mit allen verfügbaren Kräften daran gearbeitet viel Wohnraum mit bezahlbarenMieten für alle Bürger zu schaffen. Das konnte trotz allen Anstrengungen natürlich nicht von heute auf morgen erreicht werden– und mancher DDR-Bürger hat sicher länger auf eine Wohnung gewartet als ihm lieb war. Aber zu hohe Mieten, Zwangsräumungen oder gar Obdachlosigkeit waren in Ostberlin Begriffe, die man nur aus der Fernsehsendung „Der schwarze Kanal“ kannte.

Auch in Westberlin wurde gebaut, gebaut, gebaut. Mit vielen Bauskandalen und vielen Verrenkungen seitens der herrschenden Politik, um den Berliner Bauinvestoren ganz schnell wieder den gewohnten Profit zu verschaffen. Die Idee, dass Wohnen ja ein Grundrecht des Menschen sei, war lt. Springer-Presse natürlich „Die Idee von einigen linken Spinnern“.  Um das ganze etwas zu befrieden wurde der „Soziale Wohnungsbau“ von 1819 irgendwie wiederbelebt.  Ein Konstrukt bei dem man ein paar Jahre einen staatlichen Zuschuss zur Miete bekommt und nach deren Ablauf die volle, viel zu teure, Miete gezahlt werden muss. Schon damals nur ein sehr winziger Tropfen auf einem riesengroßen, sehr heißen Stein. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich deshalb umziehen musste…. Jedenfalls: Sozial ist anders!

In West-Berlin formierte sich folgerichtig ab Mitte der 60ér Jahre des vorherigen Jahrhunderts entschiedener Widerstand von „linken Spinnern“ und vielen anderen Bürgern. So entstand (ähnlich wie in Hamburg) eine sehr breite Hausbesetzerszene. Leere Häuser und Wohnungen wurden unter dem Motto: „Wem gehört die Stadt?  Uns!“  besetzt und instandgesetzt. Natürlich wurde auch von der immer hilfreichen Polizei wieder brutal geräumt. Einigen Hausbesetzern gelang es nach langen Kämpfen und Verhandlungen schließlich Mietverträge zu bekommen – das blieben aber Einzelfälle.

Sehr entschieden und mit großem Einsatz wurden diese Bewegung natürlich von der 1952 gegründeten“ Berliner Mietergemeinschaft“ und von der SEW unterstützt. Eine weitere folgenschwere Zäsur folgte 1988: Der sogenannte „Weiße Kreis“ wurde auch in Berlin eingeführt: Das bedeutete die Aufhebung jeglicher Mietpreisbindung. Eine sehr breite Front des Widerstandes formierte sich – ohne Erfolg.

Nach 1989 brachen dann alle Dämme. Ganz Berlin wurde zum Selbstbedienungsladen für Mietspekulanten – für Konzerne wie „Deutsche Wohnen“, „Deutsche Annington“ und viele andere mehr. Immer eifrig gefördert durch die herrschende Politik. Der Kampf um bezahlbaren Wohnraum für alle Berliner bekommt eine immer größere Bedeutung für unsere Stadt. Und wir werden ihn so lange führen müssen wie dieses kapitalistische System andauert. Gerechte Mieten und Kapitalismus gehen eben nicht zusammen!

Wir sehen uns alle auf dem Ostermarsch!