Das Maifeld in Berlin Charlottenburg

Es ist endlich Mai – Frühlingsmonat und Monat des Aufbruchs. Monat des weltweiten Fest- und Kampftages der Arbeiterklasse – Monat der Befreiung vom Faschismus durch die Rote Armee.

Na gut, das mit dem Wetter und den Frühlingstemperaturen muss noch werden. Aber es ist in diesem Jahr wohl in vielen Ländern sehr kalt – Türkei, Syrien, Afghanistan ……

Es gibt in Berlin einen Ort, dessen Name klingt eigentlich sehr nach Hoffnung und Aufbruch: Das Maifeld im Berliner Ortsteil Westend. Fußballfans kennen diesen Ort wahrscheinlich am besten – das Maifeld liegt unmittelbar am Olympiastadion.

Aber: der schöne Name Maifeld trügt – es war lange ein Ort des Grauens – angelegt nur, um die menschenverachtende faschistische Propaganda zu verbreiten.

Das Maifeld wurde 1936 fertiggestellt. Es ist 112 000 Quadratmeter groß und war für 250 000 Besucher konzipiert und hatte eine Tribüne für noch einmal 60 000 Besucher.  Es wurde für die Olympischen Sommerspiele 1936 angelegt und war Teil des Reichssportfeldes. Hier fanden die Polo- und Reiterwettkämpfe statt. Nach den von der NSDAP propagandistisch ausgeschlachteten Olympischen Spielen wurde das Maifeld für Großaufmärsche genutzt – dafür war es auch ursprünglich angelegt worden. Sport war nur ein Alibi.

Im September 1937 besuchte Mussolini Nazi-Deutschland. Am 28. September sprachen Hitler, Goebbels und Mussolini vor ca. einer Million Zuhörer auf dem Maifeld. Vieles von dieser Vergangenheit ist noch heute auf dem Maifeld vorhanden. So zum Beispiel die Statue „Deutsche Nike“ von Willy Meller – einem Bildhauer der den Nazis mit „Kunstwerken“ stets zu Diensten war. Auch die 26 Meter hohen Friesen-, Sachsen- und Schwabentürme ragen noch in den Himmel. Auch der 78 Meter hohe Glockenturm, offiziell für die Olympischen Sommerspiele 1936 erbaut – immer noch ein drohender Zeigefinger am Westrand des Maifeldes. In dem Turm waren die Beobachtungsstände der politischen Polizei untergebracht. Der Glockenturm wurde auch Führerturm genannt und die 4,28 Meter hohe Glocke wurde im Januar 1936 in einem Triumphzug durch viele deutsche Städte vom Herstellungsort Bochum nach Berlin gebracht. Der Rundfunk übertrug live. Die Glocke war das Logo der Olympischen Sommerspiele 1936. Der Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (schon der Name!) erklärte den Turm zum „Ewigen Mahner an  den Opfertod unserer Helden“. Vor dem Turm befand sich die Langmarckthalle – dort war das Reichsfilmarchiv untergebracht. Ein grusliger Ort – da müsste einem das „Ha, Ho, Heh – Hertha BSC“ eigentlich im Halse stecken bleiben.

Nach dem Einmarsch der Allierten in Berlin war der Glockenturm durch Bomben- und Feuerschäden statisch nicht mehr sicher. Er wurde im Februar 1947 von der britischen Armee gesprengt.

1960 bis 1962 wurde der Turm nach den alten Plänen wieder aufgebaut…. Warum wohl?  Die alte Glocke steht heute an der Südseite des Olympiastadions… Warum wohl?

Nach 1945 nutzten die britischen Truppen das Maifeld als Teil des Hauptquartiers und Sportstätte für Footballspiele und Polo. Auch wurde es für große Konzerte von Pink Floyd und Tina Turner genutzt. Die britische Königin hielt hier auch schon Hof.

Für  Spaziergänge ist es wohl nicht der ideale Ort – aber wenn man im Olympiastadion jubelt kann man ja im Anschluss das Maifeld besuchen und einen Moment inne halten. Und daran denken, was hier noch vor 81 Jahren bejubelt wurde. Und daran, dass es wieder gar nicht sicher ist, dass dieser Jubel nicht wieder aufbrandet.

Aber man kann ja auch davon träumen, dass dieser große Platz am 1. Mai mit tausenden roten Fahnen übersäht ist, und die Internationale über den Platz hallt. Dann trägt dieser Ort seinen Namen endlich zu Recht. Der Glockenturm wird dann natürlich wieder abgerissen.

Wir sehen uns am 1. und  8. Mai. Mit vielen roten Fahnen.