Die Westerplatte

Sommer, Sonne, Sozialismus!   Dieser Slogan gehörte mal zu einem tollen DKP-Sommerfest in der Neuköllner Jonasstraße. Sommer und Sonne haben wir in Berlin gerade im Überfluss – aber am meisten brauchen wir natürlich doch den Sozialismus!

Nun sind Sonne und Sommer sehr schön – aber sehr viel Sonne und Hitze können in einer Großstadt wie Berlin auch ganz schön beschwerlich werden.  Was liegt da näher als dem heißen Berlin mal den Rücken zu drehen und sich nach Norden zu orientieren. Denn da plätschert ja vor sich hin was die Berliner so über alles lieben: Die Ostsee!  Mit Strand, Wellen und einer kühlen Brise.

Genau das habe ich dann auch getan – auf nach Nord-Ost. Diesmal an die polnische Ostsee. Mit ihren tollen Stränden, die (noch?) nicht so voller Betonklötzer sind. Dahinter sehr dichte Wälder wo man jeden Moment denkt, ein Bär hockt hinter dem nächsten Baum. War aber zum Glück nicht – nur Mücken.

Schon auf der Hinfahrt merkt man ab Szczecin, wie sehr sich Polen seit 1989 verändert hat. Vor allem, wenn man abseits der neuen Schnellstraße 106, entlang der vielen kleinen Dörfer fährt. Viele wirken sehr verlassen. Viele Gaststätten sind geschlossen – man sieht sehr wenig Möglichkeiten zum Einkauf – die Felder sind zum Teil verwildert. Am Straßenrand viele, meist sehr alte Menschen, die Obst und Honig verkaufen und denen man die Armut ansieht.  Aber: In fast jedem Geschäft, in jeder Gaststätte ein Bild des Papstes – allerdings selten von Papst Franziskus – sondern von Karel Wojtyla.  An Fronleichnam waren wir in Rewal – die Kirchen waren vollkommen überfüllt. Auffällig auch: Es scheint gar keine ausländischen Mitbürger in Polen zu geben. Überhaupt keine. Nur viele deutsche Touristen.

Nur am wunderschönen Sandstrand scheint die Ostsee-Welt in Ordnung – Buntes Gewusel, kreischende Badegäste (so warm war die Ostsee nun auch nicht), viele, viele Sandburgen bauende Kinder und Eis verkaufende Händler. Stände wo man die tollen Waffeln mit Sahne, Früchten und Eis (Goffrys) essen kann. Ich hatte zu viele davon.

Also: Nach einem erfrischenden Bad weiter gen Osten. Denn dort endete auf einer sandigen Halbinsel namens „Westerplatte“ am 1. September 1939 der Traum von einem friedlichen Leben für die Menschen in Polen und in vielen anderen Ländern für viele Jahre.

Die Westerplatte liegt an der Weichselmündung in der Nähe von Gdansk. Sie ist ca. zwei Kilometer lang und ca. 60 Meter breit. Westerplatte war ein Kurort mit Kurpark und Kurkliniken. Nach 1921 entstand nach vielen Kriegswirren und auf Grundlage des Versailler Vertrages dort ein polnisches Munitionsdepot – das sehr traurige Ende des Kurbetriebs. Die Westerplatte wurde für Munitionstransporte an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Alles gegen den Willen der deutschen Danziger Senatsverwaltung unter Heinrich Sahm. Sie musste dem polnischen Militär ein unbeschränktes Zugangsrecht gewähren.  Das führte natürlich zu vielen Auseinandersetzungen, die als die „Affäre Westerplatte“ in die Geschichte eingingen und die den deutschen Behörden natürlich ein Riesendorn in beiden Augen war. Ab 1933 wurden die Anlagen auf der Westerplatte massiv von polnischer Seite ausgebaut und im März 1939 noch einmal verstärkt. Nach dem verbrecherischen Angriff auf die Westerplatte und vielen Toten Soldaten auf beiden Seiten, dauerte es bis zum 7. September 1939 bis sich das polnische Militär geschlagen geben musste. Der 2. Weltkrieg mit ca. 75 Millionen Toten hatte begonnen.

Gleich nach den Kriegshandlungen wurde auf der Westerplatte eine Nebenstelle des KZ Stutthof eingerichtet.

Und heute? Wie sieht es heute aus auf der Westerplatte – 72 Jahre nach Kriegsende und 27 Jahre nach der Konterevolution? Im Jahr 1966 entstand das große Westerplatte-Denkmal und noch mehrere kleinere, blumengeschmückte Gedenkstätten.  Große Schautafeln erinnern an das Kriegsgeschehen. Allerdings ist polnisch eine sehr schwere Sprache……

Wenn man die Augen zumacht könnte man sich wieder einen bunten Kurpark und die fröhlichen Kurgäste vorstellen. Nur der Krieg steht zwischen diesen beiden Bildern – Zwischen dem fröhlichen Kurtreiben und den vielen Toten.

Sommer, Sonne, Sozialismus braucht vor allem Frieden, Frieden, Frieden!  In Berlin, in Polen und überall auf unserer Welt.