In Memoriam Márta Rafael

„Sie hat sich nie verbogen“, war ein wichtiger Satz beim Gedenken an Márta Rafael auf dem Friedhof in Eichwalde. Man hatte sie plötzlich in ihrer auch im hohen Alter geraden Haltung, mit ihrem klaren, offenen Gesicht und dem ihr eigenen Charme vor Augen. Zu Beginn erklang die Stimme der Schauspielerin und Sängerin aus Budapest, die in der Deutschen Demokratischen Republik am Berliner Friedrichstadtpalast entdeckt und gefördert wurde. Im Fernsehen der DDR hatte sie lange Zeit die Sendung „Zu Gast bei Marta Rafael“ moderiert. Ihr künstlerisches Ziel war es, die Unterhaltungsmusik durch Niveau anzuheben.  Sie sang Opern, Operetten, Liedern und Chansons, rezitierte Texte und spielte Rollen in Filmen der DEFA.

Vierzig Jahre war sie mit Karl-Eduard von Schnitzler, mit Kled verheiratet. Beide gehörten nach der Konterrevolution zu den Geächteten, nicht aber in der DKP, in der sie länger als 10 Jahre Mitglied der Berliner Parteigruppe Nordost waren. Mit mancher klaren, und auch unbequemen Frage mischte sich Márta in die damaligen Auseinandersetzungen der Partei ein.

Der Kreis auf dem Friedhof war klein. Das Bestattungsinstitut, konnte es verhindern, daß die Journalisten den Termin der Beisetzung kannten. Darum waren die früheren Genossen nur durch Bruni Büdler und mich vertreten. Aber es war gut, daß wir dort waren.