Ich war – ich bin – ich werde sein!

Gedenken an Karl und Rosa – Nicht nur in Friedrichsfelde

Jetzt ist es also da – das Jahr 2018!  Noch ganz neu und ungebraucht. Und mit der Hoffnung, dass es mehr Frieden für unsere vom Kapitalismus geschundene Welt bereit hält. Doch von Hoffnung allein wird er nicht kommen. Deshalb werden wir uns am 14. Januar zur jährlichen Demonstration zu Ehren von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Lenin und den vielen, vielen anderen Kämpfern der Arbeiterbewegung treffen. Wie es seit 1919 schon unsere Eltern und Großeltern getan haben. Und wie es hoffentlich – nein ganz sicher – auch unsere Kinder, Enkel und Urenkelkinder tun werden.

Aber was sind die Spuren, was ist die Geschichte dahinter? Sie beginnt im Jahre 1919. Die Demonstration entstand aus der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Spartakusaufstandes vom Januar 1919. Der KPD wurde vom Berliner Magistrat verweigert, ihre Toten auf dem historischen „Friedhof der März-Gefallenen“ in Friedrichshain zu bestatten. Sie mussten auf einem sehr abgelegenen Teil des Friedhofs in Berlin-Friedrichsfelde, in der sogenannten „Verbrecherecke“ beerdigt werden. KPD und USPD organisierten dort eine gemeinsame Trauerfeier.

Unsere Genossen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hatten die Systemfrage gestellt – und das System antwortete am 15. Januar mit ihrer Ermordung. Auch sie wurden in der „Verbrecherecke“ beigesetzt. Dem Trauerzug folgten mehr als 160.000 Menschen. Nach dem Tod von Lenin im Januar 1924 bezog die KPD auch seinen Namen in den jährlichen Gedenkzug nach Friedrichsfelde ein.

Ab 1926 organisierte die KPD die Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Wochen, deren Höhepunkt die große Demonstration und die anschließende Gedenkfeier

in Friedrichsfelde waren. Im gleichen Jahr weihte die KPD dort feierlich das von Mies van der Rohe geschaffene Revolutionsdenkmal für die ermordeten Sozialisten ein. Es bestand aus roten Ziegeln, trug den Sowjetstern mit Hammer und Sichel, die rote Fahne und das von Rosa Luxemburg übernommene Zitat Ferdinand Freiligraths über die Revolution: „Ich war, ich bin, ich werde sein“ sowie den Satz „Den toten Helden der Revolution“.

Im Jahre 1930 wurden die Lenin-Lieb-knecht-Luxemburg-Wochen von Preußens Polizeipräsidenten Karl Zörgiebel verboten. Die vorläufige letzte Veranstaltung fand 1933 statt. Es gab etliche Verletzte und Inhaftierte.

Kommunisten und Antifaschisten im Ausland hielten an der Tradition fest. So in New York, wo am 17. Januar 1936 eine große Manifestation stattfand für die Brecht und Eisler die Kantate „Ein Soldat weist nach, dass Lenin gestorben ist“ komponiert hatten. Am 17. Januar 1942 gab es eine große Demonstration in Mexiko-Stadt. Sogar in den Konzentrationslagern wurden LLL-Feiern durch mutige Häftlinge organisiert.

1945 – endlich wieder Frieden. Am 13. Januar 1946 hielt Wilhelm Pieck an der provisorischen Nachbildung des zerstörten Revolutionsdenkmals die erste Rede zu Ehren der gefallenen Sozialisten in Friedrichsfelde. Und seit 1947 gibt es wieder die jährliche Demonstration am zweiten Sonntag im Januar mit roten Fahnen und Transparenten für den Frieden und die Solidarität zwischen den Völkern. 1951 wurde ein neues Mahnmal am Eingang der Gedenkstätte eingeweiht. Es trägt die Worte „Die Toten mahnen uns“.

Aber auch in Westberlin gedachten und gedenken wir jedes Jahr am 15. Januar unserer ermordeten Genossen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Wir Westberliner Kommunisten trafen uns jedes Jahr mit der Friedenskoordination, Jusos, Gewerkschaftern und vielen anderen Berlinern um 17 Uhr am Olof-Palme-Platz um – zum Teil unter strenger und nicht immer freundlicher Polizeibegleitung – bis zur Lichtensteinbrücke im Tiergarten zu ziehen, wo Rosa Luxemburg in den Landwehrkanal geworfen wurde.

Seit 1987 gibt es dort ein beeindruckendes Doppel-Denkmal von den bekannten Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursula Schüler-Witte am Katharina-Heinroth-Ufer. Eine mächtige Gußeisenplatte mit dem Namen Rosa Luxemburgs ist halb in das Wasser eingelassen. An der Brücke ist eine Bronzetafel angebracht. Etwa 500 Meter weiter am Ufer des Neuen See, wo Liebknecht starb, steht eine etwa drei Meter hohe Säule zu seinen Ehren. Auf beiden Kunstwerken ist die Gravur „VEB Lauchhammer – Werk Kunstguss 1987“ zu lesen.

Wir sehen uns am 14. Januar in Friedrichsfelde – und am 15. im Tiergarten. Vergesst die roten Fahnen nicht!