Der Internationale Frauentag

Wir wollen Frieden, Brot und Rosen –– unbedingt

Stiftung Haus der Geschichte; EB-Nr. 1996/09/0812, Foto: Thünker/Schaarschmidt

Nun ist schon wieder März – die Zeit rast vorüber. Das Wetter in Berlin ist zwar noch durchwachsen – aber vorwitzige Vögel singen schon und manchmal riecht die Luft schon richtig nach Frühling. Die Nachrichten aus aller Welt sind leider so gar nicht frühlingshaft. Krieg wohin man schaut. Aber: Am 8. März ist Internationaler Frauentag!

Aber seit wann eigentlich? Im August 1910 in Kopenhagen schlugen Clara Zetkin und Käte Dunker auf einer internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen vor, einen Internationalen Kampftag der Frauen zu proklamieren. Die Idee kam aus den USA. Dort hatten Frauen der sozialistischen Partei Amerikas (SPA) 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet. Sie beschlossen einen besonderen, internationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Dieser erste Frauentag in den USA am 28. Februar 1909 war ein großer Erfolg – auch weil sich viele bürgerliche Frauenrechtlerinnen den Forderungen nach dem Frauenwahlrecht anschlossen und gemeinsam mit den Sozialistinnen demonstrierten. Die Idee, diese Form des Protestes zu wiederholen, war schnell geboren – und so kam es dann auch 1910 im Februar zu gemeinsamen Demonstrationen in den USA und in Kanada für das Frauenwahlrecht.
Während die US-Amerikanerin May Wood-Simons die Idee zu einem solchen Tag nach Kopenhagen brachte, waren es die deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Dunker, die sich auf dem Treffen in Kopenhagen für den Frauentag einsetzten und den Beschluss forcierten. Der Beschluss in Kopenhagen lautete:

„Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und
gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.
Der Frauentag muss einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“

Diese Worte verbreiteten sich in großer Geschwindigkeit auf der ganzen Welt!

Natürlich wurde der Internationale Frauentag, nachdem zwei Weltkriege jede demokratische Entwicklung erstickt hatten, auch in Berlin begangen. Klar, in West- und Ostberlin sehr unterschiedlich. In der DDR mit großen Feiern in den Betrieben, Auszeichnungen und vielen Blumen für die Frauen. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, eine Hauptforderung der Frauenbewegung, war in der DDR kein Thema mehr und für die Frauen selbstverständlich.
In Westberlin war man mit dem Internationalen Frauentag eher zögerlich – erst als DGB- Frauen zusammen mit dem Demokratischen Frauenbund und den Frauen von der SEW zusammen feierten und die Zeitschrift „Emma“ 1983 ätzte: In Westberlin sei der Internationale Frauentag wohl durch den Demokratischen Frauenbund von der DDR gesteuert, setzte dann der DGB doch lieber auf eigene Veranstaltungen.

Heute wird der Internationale Frauentag – wenn auch sehr unterschiedlich – fast überall auf der Welt begangen. In Kuba mehr und in Saudi-Arabien sehr viel weniger. Aber: Haben wir und die anderen Frauen überall auf unserer Welt denn auch Grund zum Feiern? Was haben wir wirklich erreicht? Angesichts der vielen vergeblichen Forderungen der Frauenbewegung, die sich ja in großen Teilen von denen vor über 100 Jahren nicht unterscheiden? Angesichts einer Frauenbewegung, die wieder demselben Klassengegner wie vor 108 Jahren gegenübersteht? Ach ja natürlich, das Frauenwahlrecht. Das gibt es fast überall. Sogar in der Schweiz. Aber da wusste die kluge Clara Zetkin schon im Jahre 1889: „Das sehr schwer erkämpfte Frauenwahlrecht, ohne ökonomische Freiheit, ist leider auch nur „ein Wechsel ohne Kurs“ für uns Frauen“. Und diese notwendige ökonomische Freiheit ist fast nirgendwo auf der Welt auch nur am Horizont zu sehen.

  • Gibt es was zu feiern angesichts von Millionen von Frauen, die Tag für Tag immer noch um ihre körperliche Unversehrtheit bangen müssen?
  • Für die der verzweifelte Kampf um wenigstens annähernd gleichen Lohn für gleiche Arbeit momentan kaum zu gewinnen ist?
  • Die heute, im Jahre 2018 immer noch darum kämpfen müssen, dass ihre Töchter die Schule besuchen können?
  • Und vor Allem: Angesichts von immer zahlreicher werdenden Kriegsschauplätzen auf dieser Welt. Von Kriegen unter denen Frauen und ihre Kinder in besonderem Maße leiden. Das war im 30-jährigen Krieg für Bert Brechts „Mutter Courage“ so – das war so in Korea, Vietnam und Jugoslawien und ist jetzt in Syrien, Afghanistan und im Jemen nicht anders. Mit jedem Krieg werden die Frauenrechte wieder ins Mittelalter zurückgebombt.

Frauenrechte und Kapitalismus – das geht eben auf gar keinen Fall zusammen!
Nur im Sozialismus werden die Forderungen von 1910 endlich umgesetzt werden. Und dann wird es den tollsten Frauentag aller Zeiten geben. Mit vielen roten Fahnen. Frauen und Männer werden zusammen auf den Straßen tanzen. Und wenn wir das nicht erleben, dann unsere Enkelkinder. Ganz bestimmt!

Kämpfen wir alle zusammen darum – Nicht nur am 8. März!