Unser Kiez

Neukölln - Ein Bezirk der Gegensätze

Unser Bezirk Neukölln liegt ganz im (manchmal) sonnigen Süden von Berlin. Er umfasst Nord-Neukölln und die Ortsteile Britz, Buckow, Rudow sowie die Gropiusstadt.

In Neukölln leben über 328 000 Berliner – davon haben knapp 25 % ihre Wurzeln ursprünglich nicht in Deutschland. Sie kommen fast aus der ganzen Welt – die meisten aber aus der Türkei und dem arabischen Raum. Das merkt man vor allem in Nord-Neukölln. In der Sonnenallee, der Karl-Marx- und der Hermannstraße reiht sich ein exotisches Geschäft an das andere. Man kann Speisen aus aller Herren Länder genießen und im Sommer wuseln noch fast bis Mitternacht viele, viele Menschen mit sehr unterschiedlichen Bekleidungen und vielen verschiedenen Sprachen herum. Richtig toll! Aber: Nord-Neukölln – das sind aber auch sehr viele Menschen auf sehr engem Raum in teilweise veralteten und kaputten Wohnungen. Viele Menschen mit der schlechtesten Gesundheitsversorgung und der niedrigsten Lebenserwartung Berlins.

Im Gegensatz dazu die südlichen Ortsteile: Britz, Buckow und Rudow. Eher ruhig und bürgerlich. Mit alten Dorfkirchen, Mühlen und großen Parkanlagen. Und Britz auch mit der historischen Hufeisensiedlung aus den 30´er Jahren – seit 2008 UNESCO-Weltkulturerbe und ehemalige Heimat von Erich Mühsam – aber auch von Adolf Eichmann. Dann ist da auch noch die Gropiusstadt: Eine Großsiedlung aus den 60´er Jahren mit ca. 40 000 Bewohnern. Ursprünglich ein Projekt des „Sozialen Wohnungsbaus“, dessen Mieten inzwischen wirklich alles andere als sozial sind.

Eigentlich ist Neukölln viele Bezirke – etwas eint aber die meisten Neuköllner: Sie sind Mieter und müssen sich sehr massiv mit der Profitgier der kapitalistischen Wohnungswirtschaft rumschlagen. Für nicht wenige Mieter geht es an die Existenz. Es gibt einen verzweifelten Kampf – gerade in Nord-Neukölln – gegen das Rausgraulen der alten Mieter. Viele alte Häuser werden von sehr dubiosen Investoren aufgekauft, teuer aufgemöbelt und dann sehr viel teurer weiter vermietet. Nord-Neukölln wird ja gerade hipp. Das können sich sehr viele Neuköllner natürlich überhaupt nicht leisten. Aber es naht ja laut Bürgerlicher Presse Rettung: Ausgerechnet Aldi will in der Neuköllner Silbersteinstraße die erste Filiale mit vielen Wohnungen oben drüber und drum herum bauen. Na ja….

Es gibt aber auch noch eine besonders dunkle Seite von Neukölln, die uns sehr große Sorgen und auch sehr wütend macht. Vor allem in den Ortsteilen Britz und Rudow kochen die AFD und NPD zusammen mit anderen rechten Gruppierungen ihr braunes Süppchen. Und das ist inzwischen brandgefährlich geworden. Das Auto von einem IG-Metall-Funktionär, einem Mitglied unserer Parteigruppe, wurde im Januar 2017 fast zeitgleich mit dem Lieferwagen eines Rudower Buchhändlers angezündet. Am 1. Februar 2018 ist dann das Auto eines Politikers der Links-Partei abgebrannt – und gleichzeitig wieder das Auto des Rudower Buchhändlers. Auf ihn ist es schon der dritte Anschlag. In der Hufeisensiedlung wurden November letzten Jahres zwölf „Stolpersteine“, die an von Nazis ermordete Bewohner erinnerten, bei Nacht und Nebel ausgegraben und gestohlen. Aber das lassen sich die Neuköllner nicht gefallen. Viele Bewohner haben zusammen mit der Initiative „Hufeisern Gegen Rechts“ gesammelt – die Stolpersteine wurden inzwischen neu (und ausgrabungssicher) verlegt. Auch für die die Opfer der Brandanschläge gab es spontane Solidaritätskundgebungen – allein am 3. Februar kamen vor dem Rathaus Neukölln etwa 400 Menschen zusammen.

Am 5. April wird gegenüber dem Krankenhaus Neukölln ein Gedenkstein für den vor sechs Jahren dort erschossenen Burak Bektas feierlich eingeweiht. Trotz aller Empörung der Familie waren die Ermittlungsbehörden nicht in der Lage diesen feigen Mord aufzuklären, der so fatal an die NSU-Morde erinnert. Genauso wenig wie sie in der Lage sind, die Verantwortlichen für die Brandanschläge und den Diebstahl der „Stolpersteine„ zu ermitteln. Wieder einmal erschreckend blind auf dem rechten Auge!
Wie ihr seht, hat unsere Parteigruppe sehr gut zu tun im großen Neukölln – viel mehr als wir stemmen können. Wir müssen unbedingt mehr Genossinnen und Genossen werden, um in Neukölln gegen Rechts und für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu kämpfen.