Artikel unseres Autors DKP Wedding

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Unser Kiez

Wohnen und arbeiten "am" Wedding

Der Wedding ist ein vergleichsweise kleiner Bezirk nördlich des Berliner Rings. Geografisch gesehen umfasst er auch den Ortsteil Gesundbrunnen. Offiziell gehört der Wedding zum Bezirk Mitte. Fast 180 000 Menschen leben hier auf circa 15 km².

Ähnlich wie im Bezirk Neukölln (siehe die März/April-Ausgabe des Anstoß) ist die Bevölkerung im Wedding bunt gemischt. 48 Prozent der Menschen haben ihre Wurzeln ursprünglich in der Türkei, in den Staaten der Sub-Sahara, den arabischen Staaten oder Süd- und Osteuropa. Das spiegelt sich tagsüber z.B. in den Ladenzeilen auf der Müllerstraße oder der Badstraße wider und abends, wenn man über die Hinterhöfe Musiker wunderbare orientalische Melodien üben hört.

Kurzum: Das Leben hier ist schön, doch wie wohnt es sich? Für die Menschen, die hier leben, ist die Nähe zum Zentrum Berlins und die gute Anbindung durch den Öffentlichen Nahverkehr perfekt. Doch diese Nähe schätzen auch Investoren, die in Immobilien ihr Kapital nutzbringend anzulegen suchen. Das wirkt sich unter anderem auf die Mietsituation aus. Und so gehört der Wedding mittlerweile zu den Stadtteilen, in denen die Mieten deutschlandweit am schnellsten steigen. Für die Bevölkerung stellt diese Entwicklung eine existenzielle Bedrohung dar. Schon jetzt gibt fast jeder dritte Haushalt mehr als 40 Prozent seines monatlichen Einkommens für die Miete aus. Der so genannte städtische Milieuschutz soll nun die ärgsten Auswüchse auf dem Mietenmarkt dämpfen. Da der Schutz aber nur auf wenige Jahre begrenzt ist, wird die Jagd auf Spekulationsobjekte nur aufgeschoben. Als DKP-Gruppe Wedding machen wir auf diesen Etikettenschwindel aufmerksam und kämpfen gemeinsam mit der Berliner MieterGemeinschaft und dem Bündnis „Hände weg vom Wedding“ für ausreichend günstigen Wohnraum für alle, der demokratisch organisiert und verwaltet werden muss.

Zu diesem Kampf für menschenwürdiges Wohnen gehört auch der Kampf gegen diejenigen, die das Thema für ihre rassistische Hetze ausnutzen, indem sie z.B. Flüchtlingen eigenen Wohnraum verwehren wollen. Als die Identitäre Bewegung im letzten Jahr ihre Leute aus ganz Europa zum Gesundbrunnen rief, kamen sie nicht weit. Die Weddinger stellten sich quer. Dass der antifaschistische Kampf mit der Demo natürlich noch nicht gewonnen ist, zeigt z.B. das Wahlergebnis der AfD bei der Bundestagswahl. Im Wedding erreichte sie durchschnittlich neun Prozent der Stimmen.

Und was ist mit den Arbeitern und Arbeiterinnen im historischen Arbeiterbezirk Wedding? Bis in die 1980er Jahre waren hier zahlreiche Industriebetriebe ansässig. Heute ist der größte Arbeitgeber im Bezirk das Virchow-Klinkum am Beginn der Seestraße im Westen des Weddings. Deshalb sehen wir dort einen weiteren Schwerpunkt unserer politischen Arbeit. Wenn wir regelmäßig vor dem Eingangstor in der Amrumer Straße stehen um die gesundheitspolitische Zeitung Schrittmacher unserer DKP-Gesundheitsgruppe zu verteilen, erwartet man uns schon. Mit den Kolleg/-innen diskutieren wir dann den Zusammenhang von Pflegenotstand und Militärausgaben, wie wir den Kampf um mehr Personal organisieren und umsetzen und warum wir das nur gemeinsam schaffen können.