Berlin – Siemensstadt: Über 100 und kein bisschen leise!

Endlich grünt und blüht Berlin wieder. Die Sonne scheint und überall singen die Vögel. Die Ahnungslosen – Einfach herrlich. Leider ist das Trällern nicht in Übereinstimmung mit dem alltäglichen Leben in unserer Stadt zu bringen. Es grünt und blüht weder auf dem Wohnungsmarkt noch in den Kitas oder den Schulen. Und wenn man die Nachrichten über die Lage in Syrien, Palästina dem Jemen und noch vielen anderen Teilen unserer Welt hört, wird plötzlich alles wieder ganz grau…… Aber – es ist das perfekte Wetter um auf Spurensuche zu gehen.

Ganz am östlichen Rand vom Bezirk Spandau gibt es einen Ortsteil, der scheinbar so ganz Eins ist mit dem Konzern, für den er gebaut wurde – Siemensstadt. Gelegen zwischen dem Hohenzollernkanal im Norden und der Spree im Süden. Geprägt durch imposante, klotzige Backsteinbauten. Schon im Jahr 1913 waren dort zehn Siemenswerke – vom Dynamowerk, dem Kabelwerk, dem Wernerwerk der Eisengießerei sowie einem riesigen Verwaltungsgebäude an der Nonnendammallee angesiedelt. Schon vor über einhundert Jahren arbeiteten – nein schufteten dort ca. 24 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Selbst für die rasant wachsende Industriestadt Berlin war das einfach riesig.

Natürlich mussten die vielen Arbeiter mit ihren Familien irgendwo wohnen – und so entstanden von ca. 1910 bis 1953 (!) viele Wohnsiedlungen um die Siemenswerke herum. Das hatte für den Siemens-Konzern viele Vorteile – die Arbeiter waren gleich vor Ort wenn sie gebraucht wurden und sie waren durch die Werkswohnungen an den Konzern gebunden. Verloren sie ihre Arbeit – etwa wenn sie für bessere Arbeitsbedingungen kämpften – verloren sie auch ihre Wohnung. Auch ein Bahnhof – Berlin Wernerwerk – wurde gebaut – und 1980 nach Bau der U 7 stillgelegt. Diese Wohnungen hatten für damalige Verhältnisse relativ hohen Wohnkomfort. Auch Bauhausarchitekten waren an der Entstehung beteiligt. Die Wohnungen hatten Balkone oder kleine Gärten – und in Siemensstadt gab es die allerersten Einbauküchen der Welt.

Begonnen hatte alles am 1. Oktober 1847 in Berlin mit der Gründung der Telegraphen – Bau-Anstalt. Gegründet von Werner Siemens und Johann Halske. Schon auf der Weltausstellung 1851 in London erhielten sie eine Auszeichnung für den Bau der ersten Telegraphenleitung. Damit war der Grundstein für den Konzern Siemens gelegt. Siemens war schon vor 1900 der erste multinationale Konzern Europas. Nach Verlusten im ersten Weltkrieg gehörte Siemens schon 1920 wieder zu den führenden Elektrokonzernen. Und wuchs und wuchs… Und so wuchs und wuchs auch Siemensstadt. Nur die Weltwirtschaftskrise 1929 bremste vorübergehend diese Entwicklung. Aber nach 1933 bekam Siemens ganz dicke zu tun: Technik für die Kriegsmaschinerie. 1939 war Siemens der größte Elektrokonzern der Welt. Fehlende Arbeitskräfte machte man durch Zwangsarbeiter aus den „Ostgebieten“ wett. Selbst vor Fertigungsanlagen in Konzentrationslagern – wie etwa in Ravensbrück – schreckte man nicht zurück. Hermann von Siemens wurde dafür zwar in Nürnberg vor dem Kriegsverbrechertribunal als Zeuge vernommen – es kam jedoch nicht zur Anklage.

Nach 1945 erholte sich Siemens in rasender Geschwindigkeit. Schon 1950 war man wieder auf dem Vorkriegsstand mit der Produktion. Und nach 1989 konnte sich Siemens dank der Treuhand noch einige Produktionsstätten der DDR einverleiben.

Heute leben noch etwa 14 000 Menschen in Siemensstadt. Nur zu einem Teil noch in Werkswohnungen – viele Wohnungen sind von Wohnungsgenossenschaften übernommen worden. Die alten Wohnsiedlungen sind aber fast unverändert erhalten – viele stehen unter Denkmalsschutz und ein Teil ist UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Spaziergang durch Siemensstadt lohnt sich auf jeden Fall – einfach mal schlendern durch die alten Wohnsiedlungen. Es gibt viele sehenswerte Industriedenkmäler wie den Siemensturm oder das Wernerwerk und auch sehr viele Stolpersteine für ermordete Siemens-Kollegen. Am besten man beginnt mit dem Spaziergang am U-Bahnhof Siemensstadt (U7).

Immer öfter ist es mit der Ruhe in Siemensstadt vorbei – dann sind die Straßen voller wütender Arbeiter mit den roten Fahnen der IG-Metall. Es wird gestreikt – vor allem um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Viele von ihnen werden wir sicher am 1. Mai zur Demonstration treffen. Wir sehen uns am Hackeschen Markt. Vergesst die roten Fahnen nicht.

Der Internationale Frauentag

Wir wollen Frieden, Brot und Rosen –– unbedingt

Stiftung Haus der Geschichte; EB-Nr. 1996/09/0812, Foto: Thünker/Schaarschmidt

Nun ist schon wieder März – die Zeit rast vorüber. Das Wetter in Berlin ist zwar noch durchwachsen – aber vorwitzige Vögel singen schon und manchmal riecht die Luft schon richtig nach Frühling. Die Nachrichten aus aller Welt sind leider so gar nicht frühlingshaft. Krieg wohin man schaut. Aber: Am 8. März ist Internationaler Frauentag!

Aber seit wann eigentlich? Im August 1910 in Kopenhagen schlugen Clara Zetkin und Käte Dunker auf einer internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen vor, einen Internationalen Kampftag der Frauen zu proklamieren. Die Idee kam aus den USA. Dort hatten Frauen der sozialistischen Partei Amerikas (SPA) 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet. Sie beschlossen einen besonderen, internationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Dieser erste Frauentag in den USA am 28. Februar 1909 war ein großer Erfolg – auch weil sich viele bürgerliche Frauenrechtlerinnen den Forderungen nach dem Frauenwahlrecht anschlossen und gemeinsam mit den Sozialistinnen demonstrierten. Die Idee, diese Form des Protestes zu wiederholen, war schnell geboren – und so kam es dann auch 1910 im Februar zu gemeinsamen Demonstrationen in den USA und in Kanada für das Frauenwahlrecht.
Während die US-Amerikanerin May Wood-Simons die Idee zu einem solchen Tag nach Kopenhagen brachte, waren es die deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Dunker, die sich auf dem Treffen in Kopenhagen für den Frauentag einsetzten und den Beschluss forcierten. Der Beschluss in Kopenhagen lautete:

„Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und
gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.
Der Frauentag muss einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“

Diese Worte verbreiteten sich in großer Geschwindigkeit auf der ganzen Welt!

Natürlich wurde der Internationale Frauentag, nachdem zwei Weltkriege jede demokratische Entwicklung erstickt hatten, auch in Berlin begangen. Klar, in West- und Ostberlin sehr unterschiedlich. In der DDR mit großen Feiern in den Betrieben, Auszeichnungen und vielen Blumen für die Frauen. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, eine Hauptforderung der Frauenbewegung, war in der DDR kein Thema mehr und für die Frauen selbstverständlich.
In Westberlin war man mit dem Internationalen Frauentag eher zögerlich – erst als DGB- Frauen zusammen mit dem Demokratischen Frauenbund und den Frauen von der SEW zusammen feierten und die Zeitschrift „Emma“ 1983 ätzte: In Westberlin sei der Internationale Frauentag wohl durch den Demokratischen Frauenbund von der DDR gesteuert, setzte dann der DGB doch lieber auf eigene Veranstaltungen.

Heute wird der Internationale Frauentag – wenn auch sehr unterschiedlich – fast überall auf der Welt begangen. In Kuba mehr und in Saudi-Arabien sehr viel weniger. Aber: Haben wir und die anderen Frauen überall auf unserer Welt denn auch Grund zum Feiern? Was haben wir wirklich erreicht? Angesichts der vielen vergeblichen Forderungen der Frauenbewegung, die sich ja in großen Teilen von denen vor über 100 Jahren nicht unterscheiden? Angesichts einer Frauenbewegung, die wieder demselben Klassengegner wie vor 108 Jahren gegenübersteht? Ach ja natürlich, das Frauenwahlrecht. Das gibt es fast überall. Sogar in der Schweiz. Aber da wusste die kluge Clara Zetkin schon im Jahre 1889: „Das sehr schwer erkämpfte Frauenwahlrecht, ohne ökonomische Freiheit, ist leider auch nur „ein Wechsel ohne Kurs“ für uns Frauen“. Und diese notwendige ökonomische Freiheit ist fast nirgendwo auf der Welt auch nur am Horizont zu sehen.

  • Gibt es was zu feiern angesichts von Millionen von Frauen, die Tag für Tag immer noch um ihre körperliche Unversehrtheit bangen müssen?
  • Für die der verzweifelte Kampf um wenigstens annähernd gleichen Lohn für gleiche Arbeit momentan kaum zu gewinnen ist?
  • Die heute, im Jahre 2018 immer noch darum kämpfen müssen, dass ihre Töchter die Schule besuchen können?
  • Und vor Allem: Angesichts von immer zahlreicher werdenden Kriegsschauplätzen auf dieser Welt. Von Kriegen unter denen Frauen und ihre Kinder in besonderem Maße leiden. Das war im 30-jährigen Krieg für Bert Brechts „Mutter Courage“ so – das war so in Korea, Vietnam und Jugoslawien und ist jetzt in Syrien, Afghanistan und im Jemen nicht anders. Mit jedem Krieg werden die Frauenrechte wieder ins Mittelalter zurückgebombt.

Frauenrechte und Kapitalismus – das geht eben auf gar keinen Fall zusammen!
Nur im Sozialismus werden die Forderungen von 1910 endlich umgesetzt werden. Und dann wird es den tollsten Frauentag aller Zeiten geben. Mit vielen roten Fahnen. Frauen und Männer werden zusammen auf den Straßen tanzen. Und wenn wir das nicht erleben, dann unsere Enkelkinder. Ganz bestimmt!

Kämpfen wir alle zusammen darum – Nicht nur am 8. März!

Ich war – ich bin – ich werde sein!

Gedenken an Karl und Rosa – Nicht nur in Friedrichsfelde

Jetzt ist es also da – das Jahr 2018!  Noch ganz neu und ungebraucht. Und mit der Hoffnung, dass es mehr Frieden für unsere vom Kapitalismus geschundene Welt bereit hält. Doch von Hoffnung allein wird er nicht kommen. Deshalb werden wir uns am 14. Januar zur jährlichen Demonstration zu Ehren von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Lenin und den vielen, vielen anderen Kämpfern der Arbeiterbewegung treffen. Wie es seit 1919 schon unsere Eltern und Großeltern getan haben. Und wie es hoffentlich – nein ganz sicher – auch unsere Kinder, Enkel und Urenkelkinder tun werden.

Aber was sind die Spuren, was ist die Geschichte dahinter? Sie beginnt im Jahre 1919. Die Demonstration entstand aus der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Spartakusaufstandes vom Januar 1919. Der KPD wurde vom Berliner Magistrat verweigert, ihre Toten auf dem historischen „Friedhof der März-Gefallenen“ in Friedrichshain zu bestatten. Sie mussten auf einem sehr abgelegenen Teil des Friedhofs in Berlin-Friedrichsfelde, in der sogenannten „Verbrecherecke“ beerdigt werden. KPD und USPD organisierten dort eine gemeinsame Trauerfeier.

Unsere Genossen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hatten die Systemfrage gestellt – und das System antwortete am 15. Januar mit ihrer Ermordung. Auch sie wurden in der „Verbrecherecke“ beigesetzt. Dem Trauerzug folgten mehr als 160.000 Menschen. Nach dem Tod von Lenin im Januar 1924 bezog die KPD auch seinen Namen in den jährlichen Gedenkzug nach Friedrichsfelde ein.

Ab 1926 organisierte die KPD die Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Wochen, deren Höhepunkt die große Demonstration und die anschließende Gedenkfeier

in Friedrichsfelde waren. Im gleichen Jahr weihte die KPD dort feierlich das von Mies van der Rohe geschaffene Revolutionsdenkmal für die ermordeten Sozialisten ein. Es bestand aus roten Ziegeln, trug den Sowjetstern mit Hammer und Sichel, die rote Fahne und das von Rosa Luxemburg übernommene Zitat Ferdinand Freiligraths über die Revolution: „Ich war, ich bin, ich werde sein“ sowie den Satz „Den toten Helden der Revolution“.

Im Jahre 1930 wurden die Lenin-Lieb-knecht-Luxemburg-Wochen von Preußens Polizeipräsidenten Karl Zörgiebel verboten. Die vorläufige letzte Veranstaltung fand 1933 statt. Es gab etliche Verletzte und Inhaftierte.

Kommunisten und Antifaschisten im Ausland hielten an der Tradition fest. So in New York, wo am 17. Januar 1936 eine große Manifestation stattfand für die Brecht und Eisler die Kantate „Ein Soldat weist nach, dass Lenin gestorben ist“ komponiert hatten. Am 17. Januar 1942 gab es eine große Demonstration in Mexiko-Stadt. Sogar in den Konzentrationslagern wurden LLL-Feiern durch mutige Häftlinge organisiert.

1945 – endlich wieder Frieden. Am 13. Januar 1946 hielt Wilhelm Pieck an der provisorischen Nachbildung des zerstörten Revolutionsdenkmals die erste Rede zu Ehren der gefallenen Sozialisten in Friedrichsfelde. Und seit 1947 gibt es wieder die jährliche Demonstration am zweiten Sonntag im Januar mit roten Fahnen und Transparenten für den Frieden und die Solidarität zwischen den Völkern. 1951 wurde ein neues Mahnmal am Eingang der Gedenkstätte eingeweiht. Es trägt die Worte „Die Toten mahnen uns“.

Aber auch in Westberlin gedachten und gedenken wir jedes Jahr am 15. Januar unserer ermordeten Genossen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Wir Westberliner Kommunisten trafen uns jedes Jahr mit der Friedenskoordination, Jusos, Gewerkschaftern und vielen anderen Berlinern um 17 Uhr am Olof-Palme-Platz um – zum Teil unter strenger und nicht immer freundlicher Polizeibegleitung – bis zur Lichtensteinbrücke im Tiergarten zu ziehen, wo Rosa Luxemburg in den Landwehrkanal geworfen wurde.

Seit 1987 gibt es dort ein beeindruckendes Doppel-Denkmal von den bekannten Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursula Schüler-Witte am Katharina-Heinroth-Ufer. Eine mächtige Gußeisenplatte mit dem Namen Rosa Luxemburgs ist halb in das Wasser eingelassen. An der Brücke ist eine Bronzetafel angebracht. Etwa 500 Meter weiter am Ufer des Neuen See, wo Liebknecht starb, steht eine etwa drei Meter hohe Säule zu seinen Ehren. Auf beiden Kunstwerken ist die Gravur „VEB Lauchhammer – Werk Kunstguss 1987“ zu lesen.

Wir sehen uns am 14. Januar in Friedrichsfelde – und am 15. im Tiergarten. Vergesst die roten Fahnen nicht!

Die Westerplatte

Sommer, Sonne, Sozialismus!   Dieser Slogan gehörte mal zu einem tollen DKP-Sommerfest in der Neuköllner Jonasstraße. Sommer und Sonne haben wir in Berlin gerade im Überfluss – aber am meisten brauchen wir natürlich doch den Sozialismus!

Nun sind Sonne und Sommer sehr schön – aber sehr viel Sonne und Hitze können in einer Großstadt wie Berlin auch ganz schön beschwerlich werden.  Was liegt da näher als dem heißen Berlin mal den Rücken zu drehen und sich nach Norden zu orientieren. Denn da plätschert ja vor sich hin was die Berliner so über alles lieben: Die Ostsee!  Mit Strand, Wellen und einer kühlen Brise.

Genau das habe ich dann auch getan – auf nach Nord-Ost. Diesmal an die polnische Ostsee. Mit ihren tollen Stränden, die (noch?) nicht so voller Betonklötzer sind. Dahinter sehr dichte Wälder wo man jeden Moment denkt, ein Bär hockt hinter dem nächsten Baum. War aber zum Glück nicht – nur Mücken.

Schon auf der Hinfahrt merkt man ab Szczecin, wie sehr sich Polen seit 1989 verändert hat. Vor allem, wenn man abseits der neuen Schnellstraße 106, entlang der vielen kleinen Dörfer fährt. Viele wirken sehr verlassen. Viele Gaststätten sind geschlossen – man sieht sehr wenig Möglichkeiten zum Einkauf – die Felder sind zum Teil verwildert. Am Straßenrand viele, meist sehr alte Menschen, die Obst und Honig verkaufen und denen man die Armut ansieht.  Aber: In fast jedem Geschäft, in jeder Gaststätte ein Bild des Papstes – allerdings selten von Papst Franziskus – sondern von Karel Wojtyla.  An Fronleichnam waren wir in Rewal – die Kirchen waren vollkommen überfüllt. Auffällig auch: Es scheint gar keine ausländischen Mitbürger in Polen zu geben. Überhaupt keine. Nur viele deutsche Touristen.

Nur am wunderschönen Sandstrand scheint die Ostsee-Welt in Ordnung – Buntes Gewusel, kreischende Badegäste (so warm war die Ostsee nun auch nicht), viele, viele Sandburgen bauende Kinder und Eis verkaufende Händler. Stände wo man die tollen Waffeln mit Sahne, Früchten und Eis (Goffrys) essen kann. Ich hatte zu viele davon.

Also: Nach einem erfrischenden Bad weiter gen Osten. Denn dort endete auf einer sandigen Halbinsel namens „Westerplatte“ am 1. September 1939 der Traum von einem friedlichen Leben für die Menschen in Polen und in vielen anderen Ländern für viele Jahre.

Die Westerplatte liegt an der Weichselmündung in der Nähe von Gdansk. Sie ist ca. zwei Kilometer lang und ca. 60 Meter breit. Westerplatte war ein Kurort mit Kurpark und Kurkliniken. Nach 1921 entstand nach vielen Kriegswirren und auf Grundlage des Versailler Vertrages dort ein polnisches Munitionsdepot – das sehr traurige Ende des Kurbetriebs. Die Westerplatte wurde für Munitionstransporte an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Alles gegen den Willen der deutschen Danziger Senatsverwaltung unter Heinrich Sahm. Sie musste dem polnischen Militär ein unbeschränktes Zugangsrecht gewähren.  Das führte natürlich zu vielen Auseinandersetzungen, die als die „Affäre Westerplatte“ in die Geschichte eingingen und die den deutschen Behörden natürlich ein Riesendorn in beiden Augen war. Ab 1933 wurden die Anlagen auf der Westerplatte massiv von polnischer Seite ausgebaut und im März 1939 noch einmal verstärkt. Nach dem verbrecherischen Angriff auf die Westerplatte und vielen Toten Soldaten auf beiden Seiten, dauerte es bis zum 7. September 1939 bis sich das polnische Militär geschlagen geben musste. Der 2. Weltkrieg mit ca. 75 Millionen Toten hatte begonnen.

Gleich nach den Kriegshandlungen wurde auf der Westerplatte eine Nebenstelle des KZ Stutthof eingerichtet.

Und heute? Wie sieht es heute aus auf der Westerplatte – 72 Jahre nach Kriegsende und 27 Jahre nach der Konterevolution? Im Jahr 1966 entstand das große Westerplatte-Denkmal und noch mehrere kleinere, blumengeschmückte Gedenkstätten.  Große Schautafeln erinnern an das Kriegsgeschehen. Allerdings ist polnisch eine sehr schwere Sprache……

Wenn man die Augen zumacht könnte man sich wieder einen bunten Kurpark und die fröhlichen Kurgäste vorstellen. Nur der Krieg steht zwischen diesen beiden Bildern – Zwischen dem fröhlichen Kurtreiben und den vielen Toten.

Sommer, Sonne, Sozialismus braucht vor allem Frieden, Frieden, Frieden!  In Berlin, in Polen und überall auf unserer Welt.

Rund um den Berlin Hauptbahnhof

Traum oder Alptraum?

Es ist Sommer in Berlin.  Alles ist grün – die Blumen blühen. Und wäre unsere ganze Welt in demselben schönen, sonnentrunkenen Zustand könnten wir beruhigt die Koffer packen und an den Strand abdüsen. Wir wissen aber: Es ist nicht so.

Trotzdem kann man ja das schöne Wetter nutzen und in Berlin auf Spurensuche gehen. Ich staune immer wieder, wie sehr sich Berlin doch in den letzten 25 Jahren verändert hat. Und das nicht immer zum Guten. Aber doch leider sehr oft zur Freude von Immobilienspekulanten.

Ein gutes Beispiel ist die Gegend um den neuen Hauptbahnhof in Berlin-Moabit. Dort wo sich seit 1858 der „Lehrter-Stadtbahnhof“, einer der größten Kopfbahnhöfe in Berlin, befand. Ausgangspunkt der 239 Kilometer langen Strecke Berlin-Hannover. Entworfen nach den Plänen des Architekten Alfred Lent. Der Bahnhof galt als das „Schloß“ unter den Berliner Bahnhöfen. Ab 1932 fuhr von dort auch der berühmte „Fliegende Hamburger“ der in 138 Minuten in Hamburg war. Der Lehrter Stadtbahnhof wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt. 1957 begann das Abtragen der Ruine – auch das Hauptportal musste gesprengt werden. Der Bauschutt diente zum Wiederaufbau der Stadt. Danach war der Lehrter-Stadtbahnhof mit zwei S-Bahn-Gleisen und bescheidenem Publikumsverkehr unter Führung der „Deutschen Reichsbahn“ ein kleiner Bahnhof in West-Berlin. Ich habe dort als Lehrling Fahrkarten verkauft und mich wirklich nicht überarbeitet. 1999 wurde der kleine „Rest-Lehrter-Stadtbahnhof“ für die Errichtung des Berliner Hauptbahnhofs abgerissen.

Der stattdessen nach den Plänen von Meinhard von Gerken und verschlimmbessert von Hartmut Mehdorn errichtete Berliner Hauptbahnhof ist seit 2006 ein riesiges Glas-Einkaufszentrum mit Gleisanschlüssen für Fern-, U- und S-Bahn. Für Ortsfremde erst einmal sehr verwirrend. Man sollte schon etwas Zeit einplanen, um am richtigen Bahnsteig zu landen.

Aber mindestens genauso einschneidend hat sich die Gegend um den Hauptbahnhof herum verändert. Dort, wo bis 1990 der alte Güterbahnhof Heidestrasse – Teil des Güterbahnhofes Moabit – noch in Betrieb war, entsteht auf 40 Hektar Baugrund gerade „Europacity“. Vieles ist auch schon fertig – auch der riesige Büroklotz „The Cube“. Es wird von der Gesellschaft „Quartier Heidestrasse GmbH“ sehr, sehr viel versprochen. Es ist von 25% Sozialwohnungen, Lebensqualität, Durchmischung von Leben und Arbeitswelt und toller Infrastruktur die Rede. Wer es glaubt…. Und wenn man sich hier so umsieht: Schön ist das alles nicht. Bis zum Jahr 2000 standen hier noch viele Altbauten, in denen Westberliner Eisenbahner zu moderaten Mieten wohnten. Ein paar von den Häusern stehen auch ganz verloren noch zwischen den Glaskästen – aber sicher nicht mehr lange.

Aber: Es gibt auch eine kleine, grüne Oase – versteckt und fast unbekannt: Das ULAP-Gelände (Universum-Landes-Austellung-Park) an der Invalidenstraße. Bis zum Beginn des 18. Jahrhundert betrieben die Hugenotten dort Seidenraupenzucht. Im Jahre 1879 wurde nach den Plänen von Peter Lenné dort ein Austellungsgelände mit einem großen Ausstellungspalast errichtet. Bis zum Bau des Messegeländes am Funkturm 1925 fanden dort viele große Austellungen in Berlin statt.

Aber leider nicht nur das: Auf dem Gelände wurden 1919 viele ermordete Spartakisten aus dem nahe gelegenen Gefängnis Lehrter Straße verscharrt. Auch im 2. Weltkrieg wurden dort viele politischen Gefangene hier begraben.

Kriegsbedingt sind vom ULAP-Gelände leider nur noch kleine Reste übrig und durch den Bau des Hauptbahnhofs hat sich das Gelände noch weiter verkleinert.  Aber trotzdem lohnt sich ein Besuch – und man kann sich im Restaurant Paris-Moskau auch noch vom Schrecken der „Europacity“ erholen.

Wie war das noch mal? Wem gehört noch mal die Stadt?

Das Maifeld in Berlin Charlottenburg

Es ist endlich Mai – Frühlingsmonat und Monat des Aufbruchs. Monat des weltweiten Fest- und Kampftages der Arbeiterklasse – Monat der Befreiung vom Faschismus durch die Rote Armee.

Na gut, das mit dem Wetter und den Frühlingstemperaturen muss noch werden. Aber es ist in diesem Jahr wohl in vielen Ländern sehr kalt – Türkei, Syrien, Afghanistan ……

Es gibt in Berlin einen Ort, dessen Name klingt eigentlich sehr nach Hoffnung und Aufbruch: Das Maifeld im Berliner Ortsteil Westend. Fußballfans kennen diesen Ort wahrscheinlich am besten – das Maifeld liegt unmittelbar am Olympiastadion.

Aber: der schöne Name Maifeld trügt – es war lange ein Ort des Grauens – angelegt nur, um die menschenverachtende faschistische Propaganda zu verbreiten.

Das Maifeld wurde 1936 fertiggestellt. Es ist 112 000 Quadratmeter groß und war für 250 000 Besucher konzipiert und hatte eine Tribüne für noch einmal 60 000 Besucher.  Es wurde für die Olympischen Sommerspiele 1936 angelegt und war Teil des Reichssportfeldes. Hier fanden die Polo- und Reiterwettkämpfe statt. Nach den von der NSDAP propagandistisch ausgeschlachteten Olympischen Spielen wurde das Maifeld für Großaufmärsche genutzt – dafür war es auch ursprünglich angelegt worden. Sport war nur ein Alibi.

Im September 1937 besuchte Mussolini Nazi-Deutschland. Am 28. September sprachen Hitler, Goebbels und Mussolini vor ca. einer Million Zuhörer auf dem Maifeld. Vieles von dieser Vergangenheit ist noch heute auf dem Maifeld vorhanden. So zum Beispiel die Statue „Deutsche Nike“ von Willy Meller – einem Bildhauer der den Nazis mit „Kunstwerken“ stets zu Diensten war. Auch die 26 Meter hohen Friesen-, Sachsen- und Schwabentürme ragen noch in den Himmel. Auch der 78 Meter hohe Glockenturm, offiziell für die Olympischen Sommerspiele 1936 erbaut – immer noch ein drohender Zeigefinger am Westrand des Maifeldes. In dem Turm waren die Beobachtungsstände der politischen Polizei untergebracht. Der Glockenturm wurde auch Führerturm genannt und die 4,28 Meter hohe Glocke wurde im Januar 1936 in einem Triumphzug durch viele deutsche Städte vom Herstellungsort Bochum nach Berlin gebracht. Der Rundfunk übertrug live. Die Glocke war das Logo der Olympischen Sommerspiele 1936. Der Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (schon der Name!) erklärte den Turm zum „Ewigen Mahner an  den Opfertod unserer Helden“. Vor dem Turm befand sich die Langmarckthalle – dort war das Reichsfilmarchiv untergebracht. Ein grusliger Ort – da müsste einem das „Ha, Ho, Heh – Hertha BSC“ eigentlich im Halse stecken bleiben.

Nach dem Einmarsch der Allierten in Berlin war der Glockenturm durch Bomben- und Feuerschäden statisch nicht mehr sicher. Er wurde im Februar 1947 von der britischen Armee gesprengt.

1960 bis 1962 wurde der Turm nach den alten Plänen wieder aufgebaut…. Warum wohl?  Die alte Glocke steht heute an der Südseite des Olympiastadions… Warum wohl?

Nach 1945 nutzten die britischen Truppen das Maifeld als Teil des Hauptquartiers und Sportstätte für Footballspiele und Polo. Auch wurde es für große Konzerte von Pink Floyd und Tina Turner genutzt. Die britische Königin hielt hier auch schon Hof.

Für  Spaziergänge ist es wohl nicht der ideale Ort – aber wenn man im Olympiastadion jubelt kann man ja im Anschluss das Maifeld besuchen und einen Moment inne halten. Und daran denken, was hier noch vor 81 Jahren bejubelt wurde. Und daran, dass es wieder gar nicht sicher ist, dass dieser Jubel nicht wieder aufbrandet.

Aber man kann ja auch davon träumen, dass dieser große Platz am 1. Mai mit tausenden roten Fahnen übersäht ist, und die Internationale über den Platz hallt. Dann trägt dieser Ort seinen Namen endlich zu Recht. Der Glockenturm wird dann natürlich wieder abgerissen.

Wir sehen uns am 1. und  8. Mai. Mit vielen roten Fahnen.

„Man kann mit einer Wohnung einen Menschen….“

Die Mieterbewegung in Berlin

Endlich Sonne! Und damit die Hoffnung, dass der Ostermarsch 2017 nicht nur sehr kämpferisch sondern auch sonnig und bunt wird.

Als ich den Briefkasten leerte, ahnte ich gleich, dass der Brief der Wohnungsbaugesellschaft nichts Gutes zu bedeuten hat. Und siehe da: Mal wieder eine Mieterhöhung. Nicht besonders hoch – aber es läppert sich. Da hilft die Sonne dann auch nicht weiter.

Mieter zu sein im Kapitalismus war noch nie ein Vergnügen. Das wusste auch schon Heinrich Zille zum Anfang des vorherigen Jahrhunderts. Eingesperrt in dunkle, viel zu kleine Wohnungen ohne Luft und Sonne mussten die Arbeiter und ihre Familien ohne jeden Mieterschutz -gegen zu hohe Mieten, Zwangsräumungen und Obdachlosigkeit kämpfen. Es grassierte die Tuberkulose in den feuchten kalten Räumen – vor allem bei den Kindern.  „Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt“. Wie wahr.

Schon damals schlossen sich die Arbeiter zusammen um sich dagegen zu wehren. Der „Deutsche Mieterbund“ bildete sich schon im Januar 1900 mit fünfundzwanzig Einzelverbänden. Den größten Einzelverband gab es in Berlin.

Dann kamen zwei Weltkriege und 1945 standen die Menschen in Berlin vor großen Trümmerbergen. Es wurden die Ärmel hochgekrempelt – vor allem die Ärmel der Frauen – und der Schutt beiseite geräumt. Es wurde angefangen wieder zu bauen. In ganz Berlin. Die Aufgabe schnell Wohnraum zu schaffen stand in Ost- und Westberlin gleichermaßen. Aber da endeten auch die Gemeinsamkeiten….   In der Hauptstadt der DDR wurde mit allen verfügbaren Kräften daran gearbeitet viel Wohnraum mit bezahlbarenMieten für alle Bürger zu schaffen. Das konnte trotz allen Anstrengungen natürlich nicht von heute auf morgen erreicht werden– und mancher DDR-Bürger hat sicher länger auf eine Wohnung gewartet als ihm lieb war. Aber zu hohe Mieten, Zwangsräumungen oder gar Obdachlosigkeit waren in Ostberlin Begriffe, die man nur aus der Fernsehsendung „Der schwarze Kanal“ kannte.

Auch in Westberlin wurde gebaut, gebaut, gebaut. Mit vielen Bauskandalen und vielen Verrenkungen seitens der herrschenden Politik, um den Berliner Bauinvestoren ganz schnell wieder den gewohnten Profit zu verschaffen. Die Idee, dass Wohnen ja ein Grundrecht des Menschen sei, war lt. Springer-Presse natürlich „Die Idee von einigen linken Spinnern“.  Um das ganze etwas zu befrieden wurde der „Soziale Wohnungsbau“ von 1819 irgendwie wiederbelebt.  Ein Konstrukt bei dem man ein paar Jahre einen staatlichen Zuschuss zur Miete bekommt und nach deren Ablauf die volle, viel zu teure, Miete gezahlt werden muss. Schon damals nur ein sehr winziger Tropfen auf einem riesengroßen, sehr heißen Stein. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich deshalb umziehen musste…. Jedenfalls: Sozial ist anders!

In West-Berlin formierte sich folgerichtig ab Mitte der 60ér Jahre des vorherigen Jahrhunderts entschiedener Widerstand von „linken Spinnern“ und vielen anderen Bürgern. So entstand (ähnlich wie in Hamburg) eine sehr breite Hausbesetzerszene. Leere Häuser und Wohnungen wurden unter dem Motto: „Wem gehört die Stadt?  Uns!“  besetzt und instandgesetzt. Natürlich wurde auch von der immer hilfreichen Polizei wieder brutal geräumt. Einigen Hausbesetzern gelang es nach langen Kämpfen und Verhandlungen schließlich Mietverträge zu bekommen – das blieben aber Einzelfälle.

Sehr entschieden und mit großem Einsatz wurden diese Bewegung natürlich von der 1952 gegründeten“ Berliner Mietergemeinschaft“ und von der SEW unterstützt. Eine weitere folgenschwere Zäsur folgte 1988: Der sogenannte „Weiße Kreis“ wurde auch in Berlin eingeführt: Das bedeutete die Aufhebung jeglicher Mietpreisbindung. Eine sehr breite Front des Widerstandes formierte sich – ohne Erfolg.

Nach 1989 brachen dann alle Dämme. Ganz Berlin wurde zum Selbstbedienungsladen für Mietspekulanten – für Konzerne wie „Deutsche Wohnen“, „Deutsche Annington“ und viele andere mehr. Immer eifrig gefördert durch die herrschende Politik. Der Kampf um bezahlbaren Wohnraum für alle Berliner bekommt eine immer größere Bedeutung für unsere Stadt. Und wir werden ihn so lange führen müssen wie dieses kapitalistische System andauert. Gerechte Mieten und Kapitalismus gehen eben nicht zusammen!

Wir sehen uns alle auf dem Ostermarsch!

Wer erbaute das siebentorige Theben?

Spuren vom Niltal bis nach Berlin-Mitte

Nein – schön ist das noch nicht – gar nicht. Es ist regnerisch und kalt. Der Frühling lässt auf sich warten. Und ich friere entsetzlich. Deshalb, und natürlich weil ich gerade von einer Reise aus Ägypten wieder gelandet bin – eine Spurensuche aus viel wärmeren Gefilden.
Es ist nur wenige Tage her und ich stand, gerade einmal knapp 12 Stunden zuvor in Ägypten gelandet in der grellen Morgensonne, Bauklötzer staunend, mitten im siebentorigen Theben. Und ich kann euch versichern: Es waren ganz sicher nicht die Könige, die diese riesigen Felsbrocken herbeigeschleppt und mit einer kaum zu begreifenden Baukunst zu den riesigen Tempeln von Theben zusammengefügt haben – so etwa vor viertausend Jahren. Die Sklaven- Arbeiter mussten auf der Westseite von Theben leben – im damaligen Glauben der Menschen- die Seite des Todes. Dort geht die Sonne unter. Die „freien“ Bürger lebten auf der Ostseite des Nils. Der aufgehenden Sonne zugewandt.
Theben heißt heute Luxor, hat ca. 950 000 Einwohner und ist durch große Armut geprägt. Der einzige Reichtum dieser Gegend ist der Nil – die Lebensader und die Ernährungsgrundlage Oberägyptens. Immer bedroht von der immer näher rückenden Sahara. Von Luxor bis zum sehr beeindruckenden Assuan-Staudamm und dem riesigen Nasser-See, der bis in den Sudan reicht. Hier findet man viele Spuren der einstigen solidarischen Verbundenheit der sozialistischen Länder mit Ägypten. Diese Solidarität machte den Assuan-Staudamm erst möglich. Neben dem riesigen Staudamm steht ein 74 Meter hohes Denkmal der ägyptisch-sowjetischen Freundschaft in Form einer Lotusblüte – der heiligen Blume Ägyptens. Die Gegend um Assuan ist das Land der Nubier – fast die gesamte Bevölkerung gehört diesem stolzen, alten Volk an. Viele Nubierfamilien mussten umgesiedelt werden – ein Teil ihrer Heimat liegt auf dem Grund des riesigen Nasser-Sees. Ihr großer, berühmter Tempel „Abou-Simbel“ konnte gerettet werden und wurde wieder aufgebaut – eine logistische Meisterleistung. Die Haupteinnahmequelle der Nubier ist seit langer Zeit der Anbau von Blumen und die Gewinnung von Parfüm-Ölen aus den Blüten. Der Hauptteil dieser Öle wird nach Frankreich zur Parfümherstellung verkauft.
Aber selbst hier, am Rande der Wüste, und nur ca. 300 Kilometer vom Sudan entfernt, findet man Spuren, die nach Berlin führen – bis in die Humboldt-Universität. Im Nubier-Museum in Assuan findet man auf einer Tafel den Namen von Fritz Hintze – dem Begründer des Instituts für Ägyptologie an der Humboldt-Uni. Sein Spezialgebiet war die Kultur der Nubier.
Aber auch sonst gab es sehr freundschaftliche Beziehungen der DDR zu Ägypten. 1965 reiste Walter Ulbricht auf Einladung des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser nach Kairo – aber auch schon vorher gab es sehr fruchtbare Handelsbeziehungen zwischen der DDR und Ägypten. Die DDR unterstützte Ägypten beim Bau einer großen Porzellanfabrik in Kairo. Und es gab auch einen regen Kulturaustausch:  1968 dirigierte der Kapellmeister Gerhard Wiesenhütter das Symphonische Orchester Kairos.
Nach der Rückreise auf unserem, schon sehr betagten, Nilschiff stand am letzten Tag in Luxor natürlich der Besuch des „Tal Der Könige“ und der Tempel der Pharaonin Hatschepsut auf dem Plan. Hier in Ägypten gilt Hatschepsut als die erste Herrscherin Ägyptens und damit als erste selbstständige Frau. Sie hatte als Mädchen natürlich gar keine Chance auf den Thron. Da griff sie zu einer List: Sie behauptete Tochter des Gottes Amun-Re zu sein. War natürlich völliger Quatsch und wahrscheinlich die erste „Fake-News“ der Geschichte – aber als Tochter eines Gottes hatte sie Anspruch auf den Thron. Sie wurde eine Herrscherin ohne Kriege. Sie setzte auf Handel. Unter ihrer Regentschaft blühte Oberägypten auf. Nach ihrem – ungeklärten- Tod im Jahre 1458 v. Chr. wurden von ihrem Nachfolger und Stiefsohn Tutmosis III.  alle Spuren ihrer Regentschaft vernichtet. Eine Herrscherin ohne kriegerische Eroberungen sollte nicht in die ägyptische Geschichte eingehen.
Ich wünsche allen Leserinnen einen tollen, kämpferischen Internationalen Frauentag.